
Der Henker in uns. Auf den Spuren des Grauens
Weiß der Henker, warum! Manchmal trennt nur ein Wimpernschlag den Gedanken
von der Tat. Wir legen jemandem die Schlinge um den Hals. Geplagt von den
Schikanen des Chefs, entnervt vom Drängler auf der Autobahn, zermürbt
vom Lärm des Nachbarn zücken wir in Gedanken das Schwert ... und
würden denen, die uns das Leben schwer machen, am liebsten den Hals umdrehen.
Auch wenn es hierzulande keine offiziellen Hinrichtungen mehr gibt, ein Henker
lauert in jedem von uns. Ebenso wie ein Gaffer, der sich daran weidet, wie
ein Mensch versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Wir halten an, wenn sich auf der Autobahn ein schwerer Unfall ereignet hat.
Wir lesen Krimis, sehen mit wohligem Schauer Fernseh-Pathologen über
die Schulter, wenn sie an kalten Stahltischen ihrem blutigen Gewerbe nachgehen.
Wir leiden mit den Opfern. Wir sind froh, dass wir verschont geblieben sind.
Wir distanzieren uns vom Bösen - und sind doch sonderbar fasziniert von
denen, die das Tabu gebrochen haben: "Du sollst nicht töten".
Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde auch in Europa im Auftrag der Obrigkeit
getötet. Im Mittelalter und der Renaissance gab es Heerscharen von Henkern,
die die Kunst des Tötens beherrschten. Die Vollstreckungsbeamten exekutierten
auch Kinder, Tiere und "lebende" Leichen.... Durch die Jahrhunderte
hindurch waren sie Ausgestoßene, Schreckgespenster, aber auch Heiler,
Magier.
Ihr blutiges Handwerk hinterließ Spuren. An Körper, Geist und Seele.
Das tut es auch heute noch, bei den Männern, die im Auftrag des Staates
töten. In China, Japan, den USA, Saudi-Arabien ...
Die Journalistin und Autorin Christiane Wagner und der Psychologe und Autor
Wolfgang Bauer folgen der Blutspur. Erzählen von Henkern und ihren Opfern,
von der Lust und der Last am Töten, von Medizin aus Leichen, Armsünderreliquien
und makabrem Spielzeug. Von Richtplätzen in freier Natur, wo im Schatten
uralter Bäume im Geheimen monströse Urteile gefällt und oft
an Ort und Stelle grausam vollstreckt wurden. Und von Menschen, die für
einen Nervenkitzel in Scharen zu Hinrichtungen pilgerten und danach das Blut
der Enthaupteten tranken.
http://www.der-henker-in-uns.de/


